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Der Fuchsbandwurm: Auslöser einer seltenen Krankheit

Der Fuchsbandwurm ist ein Klassiker unter den Horrormärchen für Jäger- und Försterstammtische. Nichts desto Trotz sollte er hier Erwähnung finden, da ein Befall mit dem Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis immer tödlich verläuft.
Im Grunde genommen kommt es nicht oft vor, dass ein Mensch in Deutschland an Echinokokkose, der Krankheit, die direkt durch die Finnen des Fuchsbandwurms ausgelöst wird, erkrankt. Personen, die beruflich im Wald arbeiten, wird aber immer wieder in Arbeitsschutzvorträgen diese Gefahr deutlich gemacht, die vom Fuchsbandwurm ausgeht, und so soll sie auch hier Erwähnung finden.

Infektionszahlen:

Die beinahe verschwindend geringe Anzahl von gemeldeten Erkrankungsfällen in Deutschland spricht bereits eine deutliche Sprache (Quelle: deutsches Echinokokkoseregister):

2003: 21

2004: 17

2005: 16 Fälle von Echinokokkose

 

Der Lebenszyklus des Bandwurmes ist sehr interessant und hochkomplex.


Lebenszyklus des Kleinen FuchsbandwurmesBandwürmer gehören zu den Plattwürmern und haben einen gegliederten Körper, der an ein Band oder eine Kette erinnert. Der Kopf ist kaum stecknadelgroß. An ihn schließen sich die Bandwurmglieder an, so dass der Bandwurm mehrere Meter lang werden kann. Hinter dem Kopf werden ständig neue Glieder gebildet, so dass die jüngsten Glieder immer vorne und die ältesten und größten am Ende des Bandwurmes zu finden sind. Bandwürmer sind mund- und darmlos und ernähren sich vom Speisebrei ihrer Wirte, in unserem Falle des Fuchses, von dem sie die zum Leben notwendigen Stoffe durch ihre Körperoberfläche aufnehmen. Jedes Glied entwickelt sich selbst bis zur Geschlechtsreife und ist zwittrig. Die letzten Glieder (die ältesten) lösen sich, wenn sie geschlechtsreif und mit Eiern gefüllt sind, von dem eigentlichen Bandwurm ab und werden mit dem Kot des Wirtes ausgeschieden. Diese beweglichen Bandwurmglieder können vom Kothaufen fortwandern und sich an Pflanzen wie Grashalmen etc. festsetzen. Die Glieder zerfallen nach einiger Zeit und die Eier werden frei.


Wenn nun diese Eier von einem sog. Zwischenwirt gefressen werden und in dessen Darm gelangen, schlüpfen aus den Eiern die Hakenlarven, dringen durch die Darmwand in den Körper des Zwischenwirtes und wandern zu bestimmten Organen, zunächst der Leber. In den Organen bildet die Hakenlarve dann das sogenannte Finnenstadium, in dem die Finnen genannten Larven das Krankheitsbild der „alveolären Echinokokkose“ hervorrufen, indem sie sich bläschenartig durch die Organe fressen. Das ganze ähnelt einem Krebsgeschwür.


Äußern kann sich die Krankheit manchmal erst spät, bis zum Bemerken eines Befalls können 15-20 Jahre vergehen. Erst dann ist die Leber und möglicherweise andere Organe so geschädigt, dass Symptome auftreten.

Eigentlich sollte ein Zwischenwirt (Maus etc.) aber bereits vorher vom Fuchs gefressen werden, so dass sich die Finne im Darm des Fuchses wieder zu einem Bandwurm entwickelt. Der Mensch als Fehlzwischenwirt bleibt aber so lange Zwischenwirt, bis er der Krankheit selbst erliegt.

Durchseuchung / Verbreitung des Fuchsbandwurmes

Das Risiko, mit dem Fuchsbandwurm infiziert zu werden, steigt bei höherer Durchseuchung des Fuchses.
Das bedeutet, dort wo mehr Füchse als Hauptwirt zu finden sind, steigt das Risiko, dass der Mensch zum Fehlzwischenwirt wird. Auf der Karte auf der linken Seite (mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dr. Thomas Romig, Universität Hohenheim) ist angegeben, wie viele Versuchstiere (Rotfüchse) mit dem Fuchsbandwurm durchseucht waren. Allerdings berücksichtigt diese Darstellung nicht die Durchseuchung von Haustieren, vor allem dem Haushund, der auch als Überträger gehandelt wird.



Vorbeugung:
Es ist immer noch nicht vollständig geklärt, wie sich erkrankte Personen infizieren. Es scheinen häufiger Hundebesitzer betroffen zu sein, was darauf schließen lässt, dass der Fehlzwischenwirt sich die Infektion vom Fehlwirt (hier Hund) geholt hat. Möglicherweise spielt auch eine Dauerexposition eine Rolle.
Daher sollten zur Risikominimierung folgende Grundsätze ausreichen:

- keine Grashalme kauen o.ä.
- Kot, der unter die Schuhe gerät, sollte möglichst mit Wasser entfernt werden.

 

Weitere Risikofaktoren sind wie oben dargestellt die Haltung von Hunden und der berufliche oder dauerhafte Aufenthalt im Wald.

 

Lesenswert:

http://www.uni-ulm.de/echinokokkose/index.html Arbeitsgemeinschaft Echinokokkose

http://www.urcam.org/fileadmin/FRANCHE-COMTE/eurechinoreg/index.html Europäisches Echinokokkoseregister