Diese Seite drucken

die Herkulesstaude, unterschätzte Gefahr

Der Riesenbärenklau ist eine bis zu 3m hohe sog. "krautige Pflanze". Er kann mehrjährig werden, blüht aber nur einmal in seinem Leben.

Er liebt stickstoffreiche Böden, in der Tatort-Natur-Stadt Oldenburg ist er Wegbegleitpflanze und man kann ihn vor allem an Spazierwegen entlang von Flüssen oder anderen Feuchtbiotopen und entlang von Straßen sowie auf Brachflächen antreffen.

Er gehört zu den sog. "invasiven Neophyten", zu solchen Pflanzen, die hier als nicht heimisch gelten und darüber hinaus auch noch andere Arten verdrängen. Im Laufe der Evolution haben immer wieder irgendwelche Arten andere nicht so angepasste Arten verdrängt. In einer globalisierten Welt und der heutigen Kulturlandschaft ist menschliches Zutun und damit auch die Ausbringung nichtheimischer Pflanzen (und Tiere) nicht mehr wegzudenken.

 

Da der Riesenbärenklau jedoch auch gesundheitsschädliche Eigenschaften hat, sollte ihn jeder von uns erkennen können und wissen, warum er gefährlich ist und was wir dagegen machen können.

Aussehen

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass der Riesenbärenklau nicht immer 3m hoch ist. kleinere Herkulesstaude, Riesenbärenklau

Wie auf dem Foto oben zu erkennen, kann er gerade am Anfang der Vegetationsperiode wesentlich kleiner sein (sein Giftgehalt ist zu dieser Zeit aber am höchsten). Charakteristisch ist das im Verhältnis zu anderen Pflanzen große Blatt, welches oft "wie drei Blätter" aussieht. Die einzelnen Blattunterteilungen sind stark gezackt (je später im Jahr, desto zackiger) und meist weit eingeschnitten. Ausgewachsene Blätter können 1m lang sein. Der Stengel ist grün und rötlich gesprenkelt mit groben Haaren. Er kann ausgewachsen bis zu 10 cm dick sein. Die Blüte ist eine weißblühende Dolde, ähnlich wilder Möhre oder Giersch.  Blütezeit ist Juni und Juli, aber auch in anderen Monaten ist der Riesenbärenklau natürlich gefährlich.

 

gefährlich: Blätter des Riesenbärenklau, HerkulesstaudeDie Blätter nehmen schnell die großen Ausmaße an, in denen der Riesenbärenklau in Büchern beschrieben wird. Allerdings müssen die Bedingungen für den Bärenklau entsprechend gut sein.

Auf dem Bild links ist zu erkennen, dass am Wegesrand (bräunlich) bereits Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Herkuelesstaude gelaufen sind. Nicht zu erkennen ist der großflächige Bestand an Riesenbärenklau weiter abseits des Weges, aus welchem ich dieses Blatt von einer ca. 220 cm hohen Pflanze abgeschnitten habe (Wichtig hierbei: Arme bedeckt und Einweghandschuhe genutzt).


Gift

Stengel und Blatt eines RiesenbärenklauDer Pflanzensaft enthält giftige Inhaltsstoffe, die unter dem Namen "Furocumarine" zusammengefasst werden. Im Riesenbärenklau sind solche Mengen der Gifte enthalten, dass eine kurze Berührung starke Reaktionen hervorrufen kann.

Bei Berührung der Pflanze, auch der intakten Pflanze, geht der Pflanzensaft auf die Haut über. In Verbindung mit Sonnenlicht entfaltet sich dann erst die Wirkung des Kontaktgiftes: nach ca. 24 Stunden kommt es zu Verbrennungserscheinungen. Die Haut wird je nach Giftmenge rot oder wirft Blasen und schmerzt. An diesen Hautpartien bilden sich später Pigmente ("Sommersprossen/Muttermale" ). Eine wichtige und ernstzunehmende Langzeitwirkung dieses Giftes ist die krebserregende Eigenschaft. Es kann später zu Hautkrebs kommen.

Wichtig hierbei: Tageslicht reicht aus, es muss nicht eine direkte Sonneneinstrahlung vorliegen, damit die phototoxische Wirkung entfaltet werden kann.

Die Giftmenge in der Pflanze schwankt im jahreszeitlichen Verlauf. Tückisch ist, dass bereits im April eine hohe Giftkonzentration nachgewiesen werden kann. Die Pflanze wird aber als Riesenbärenklau oft erst erkannt, wenn sie die charakteristische Blüte oder ihr großes, hohes Erscheinungsbild zeigt. Dann wird sie auch meist erst bekämpft. Die Gefahr besteht aber auch schon im Frühsommer, in einem Stadium, welches im ersten Bild ganz oben zu erkennen ist.

 

Was tun?

Die Pflanze darf unter keinen Umständen berührt werden.  Jeder Kontakt mit dem Riesenbärenklau kann zu ernsten Gesundheitsschäden führen. Giftnotruf: 0551/19240

Vernarbung (hell) und Pigmentierung 10 Jahre nach RiesenbärenklauberührungDa wir aber wissen, dass das Gift nur unter Einwirkung der Sonnenstrahlen  wirkt, können wir bei Kontakt die betroffenen Hautpartien lichtdicht abdecken, z.B. mit einem T-Shirt oder einer Jacke. Der Pflanzensaft muss so schnell wie möglich abgewaschen werden. Jedoch wird empfohlen, für 48 Stunden UV-Einstrahlung zu meiden. Gerade Kinder sollten auf die Gefahren der "Herkulesstaude" genannten Giftpflanze aufmerksam gemacht werden. Nichtwissen schützt Kinder nicht.

Nach einer Hautreaktion sollten die Pigmente einmal jährlich vom Hautarzt untersucht werden.

Bild oben: 10 Jahre nach dem Kontakt: Pigmente und Aufhellungen (ähnlich Narben).

 

Ein Abschneiden oder Ausreißen der Pflanze bringt nur scheinbare Sicherheit, denn irgendwo anders gibt es immer noch Riesenbärenklau, den man dann möglicherweise mangels Kenntnis nicht erkennt. Weiterhin wird eine komplette Vernichtung aller Bestände an einem Ort meist nicht möglich sein, so dass immer wieder Pflanzen hochkommen. Wie bereits im Oberkapitel beschrieben, ist Wissen mächtiger als die Sense.

einzeln stehender Riesenbärenklau in Ofen bei OldenburgEin anderer Ansatz als der der Vernichtung der Pflanzen wäre eine großflächige Kartierung des Riesenbärenklaus. Ein Vorteil der Kartierung wäre, dass so Wege und Plätze, die mit dem Riesenbärenklau bewachsen sind, gemieden werden könnten. So könnte man seine Kinder beispielsweise auf andere Spielplätze schicken oder einen anderen Schulweg nehmen lassen. Die vielen unterschiedlichen Besitzverhältnisse lassen eine Kartierung und somit eine Bürgerinformation jedoch als schwierig erscheinen.

Sehr sinnvoll wäre neben der hier betriebenen Internetaufklärung und der Aufklärung von Lehrern und Erziehern sicherlich eine "Vor-Ort-Information". Zur Zeit arbeite ich an einer kleinen Infotafel, die überall, wo Riesenbärenklau in Oldenburg wächst, aufgestellt werden könnte. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft geht von einer sehr häufigen Verletzung durch Riesenbärenklau und verwandte Pflanzen in den Sommermonaten aus. Nur sehr wenige Oldenburger Schüler kennen den Riesenbärenklau laut einer Befragung im Sommer 2010.

"300 Worte der Weisheit": Steckbrief Riesenbärenklau

Lesenswert:

http://www.korschenbroich.de/downloads/pdf/publikationen/Herkulesstaude_Flyer.pdf - Beispiel für eine Kartierung der Plätze, an denen der Riesenbärenklau in hoher Zahl vorkommt.

http://www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/jahresbericht99-Dateien/typo3/index.php?id=51 - Steckbrief der Giftinformationszentrale der Uniklinik Bonn

http://www.floraweb.de/neoflora/handbuch/heracleummantegazzianum.html -  Informationen bei NeoFlora (Bundesamt für Naturschutz)

http://de.wikipedia.org/wiki/Riesenbärenklau -  gut recherchierter Lexikoneintrag mit weiteren Links aus der deutschsprachigen Wikipedia

http://www.giant-alien.dk/pdf/German%20manual_web.pdf -  Praxisleitfaden riesenbärenklau des Projektes Giant Alien