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Schlangen, menschenscheue Reptilien ohne großes Gefahrenpotential

Kreuzotter in DänemarkEines vorweg: wirkliche Angst vor Schlangen müssen wir in Deutschland nicht haben. Für einige Menschen ist es schon ein Glücksfall, überhaupt eine Schlange in der freien Natur zu Gesicht zu bekommen. 
Da aber jeder weiß, dass Schlangen beißen können (und diese Annahme auch noch richtig ist), sollen hier ein paar ermutigende und abmildernde Aussagen zu Schlangen in unseren Breiten gemacht werden.

Giftschlangen in Deutschland
In Deutschland gibt es nur eine einzige Giftschlangenart: die Kreuzotter. Diese Schlange hat ihren Hauptverbreitungsraum in der Norddeutschen Tiefebene. Das bedeutet, dass sie überall außer in den Gebirgen zu finden ist. Auch ist sie im Flachland der südlichen Bundesländer vertreten. Sie fehlt jedoch auf den ostfriesischen Inseln.

Die Kreuzotter gilt laut Roter Liste nicht nur als gefährdet bis stark gefährdet, sie hat auch noch selbst zahlreiche natürliche Feinde. Iltis, Igel und Greifvögel machen der Kreuzotter das Leben schwer, und dann wäre da noch der Straßenverkehr...

Zur Gefährdung des Menschen

Die Kreuzotter besitzt Giftdrüsen, mit deren Hilfe sie ihre Beute tötet. Ihr ganzes Jagdsystem ist auf die Wirkung des Giftes ausgerichtet; ihr Gift ist also ein „Arbeitsmittel zum Nahrungserwerb“.

Das Gift besteht (laut Schiemenz) aus folgenden Komponenten:
1.Neurotoxine wirken auf Gehirn- und Rückenmarksganglien und rufen Atemlämung und andere zentrale Störungen hervor.
2.Hämorrhagine zerstören die Blutgefäßwandung und verursachen Schwellungen.
3.Hämolysine lösen die Blutkörperchen auf
4.Thrombine bewirken die Blutgerinnung in den Gefäßen
5.Zytolysine greifen die weißen Blutkörperchen und das Körpergewebe an.

Obwohl sich die Aufzählung der einzelnen Giftkomponenten sehr dramatisch anhört, besitzt die Kreuzotter nur eine geringe Menge des Giftes: es sind max. 30 ml Flüssigkeit.
Und auch wenn immer dramatisch übertrieben dargestellt wird, dass das Gift der Kreuzotter mehr als doppelt so stark ist wie das der Diamantklapperschlange, sagt dieser Wert noch nichts aus, wenn man nicht weiß, welche Menge des Giftes eine Diamantklapperschlange und eine Kreuzotter bei ihren Bissen abgeben. Die vorrätige Giftmenge der Diamantklapperschlange dürfte mindestens 300 ml (also das zehnfache der Kreuzotter) betragen.

Die Giftwirkung bei Mäusen - der Hauptnahrung der Kreuzotter - ist recht simpel - aber final: sie stirbt nach 0,5 bis 8 Minuten, je nach Größe der Maus. Da unser Blutkreislauf wesentlich größer ist als der einer Maus, macht dies auch deutlich, wie (un)gefährlich ein Kreuzotterbiss für uns wäre:


Am Beispiel der Hämolysine (der Wirkstoffbestandteil, der die Blutkörperchen auflöst) möchte ich kurz verdeutlichen, dass die Giftwirkung des Giftes auf den Menschen wesentlich geringer ist als auf eine Maus.

Blutmenge Mensch: 7,0 l (ungefährer Wert)
Blutmenge Maus: 0.005 l (5 ml) (ebenfalls ungefähr), also 1400 Mal weniger als der Mensch.

Anzahl rote Blutkörperchen Mensch: ca. 25.000.000.000.000 (25 Billionen)
Anzahl rote Blutkörperchen Maus: 25 Billionen: 1400 (7/0,005) = ca. 18.000.000.000

Der Mensch bildet jede Sekunde 2,5 Millionen neue rote Blutkörperchen. Selbst wenn das Schlangengift in der Maus alle roten Blutkörperchen auflösen würde, hätten wir Menschen diese 18 Millionen Blutkörperchen innerhalb von 7 Sekunden wieder gebildet.
Natürlich ist diese Rechnung rein hypothetisch. Sie berücksichtigt weder, wieviel Hämolysine sich tatsächlich im Schlangengift befinden noch unterschiedlich große Giftmengen. Sie veranschaulicht aber, dass die Maus mit ihrem Esslöffel Blutmenge viel anfälliger für Gift ist als der Mensch, der mehr Blut im Körperumlauf hat als die meisten Mittelklassefahrzeuge Motoröl umwälzen.

Folgen
Ein Biss der Kreuzotter verursacht Schwellungen und Rötungen um die Bissstelle herum. Außerdem kann es zu Schmerzen kommen, die einem Wespenstich nicht unähnlich sind. In Einzelfällen sind die gebissenen Extremitäten auch angeschwollen und haben sich verfärbt. 

Die Symptome eines Kreuzotterbisses heilen in der Regel vollständig aus, meist wird eine Behandlung im Krankenhaus mit Serum erfolgen. In der DDR wurden Schlangenbisse der Jahre 1955-1975 untersucht; hierbei wurde festgestellt, dass es keinen einizigen Todesfall gab. 
Gefährlicher als die Giftwirkung sind laut Autor der Studie vielmehr die Angstgefühle der Betroffenen nach einem Schlangenbiss.

Vorbeugung
Die Kreuzotter beißt, wie oben dargestellt, ihre Beutetiere. Schon allein aufgrund der Masse eines Menschen könnte man eine Kreuzotter zu Recht als größenwahnsinnig bezeichnen, wenn sie einen Menschen als Beutetier ansehen würde.
Bisse ruhen immer daher, dass versucht wird, die Kreuzotter zu stören oder gar zu fangen. In manchen Fällen treten Wanderer auch aus Unachtsamkeit auf eine Kreuzotter und werden so gebissen.
Umsichtiges Verhalten, feste Schuhe und lange Hosen reduzieren die Gefahr, von einer Kreuzotter gebissen zu werden, auf ein Minimum.
Sollte man dennoch gebissen werden, kann es nicht schaden, ein Krankenhaus aufzusuchen, in dem dann eine Therapie eingeleitet wird. Hierfür sollte man sich gut merken, wie die Schlange aussah, besser noch ein Foto machen, falls möglich. So kann im Krankenhaus sofort festgestellt werden, ob es sich um einen Biss einer giftigen Kreuzotter handelt oder eher doch um eine harmlosere Schlange.

 

weitere Schlangen: bald