Diese Seite drucken

Stechmücken und Bremsen, Parasiten des Menschen

 

Stechmücken und Bremsen haben miteinander gemein, dass sie beide zur Ordnung der Zweiflügler gehören, schnell fliegen können (bis zu 6 km/h) und als Parasiten auch von menschlichem Blut leben. Im Laufe der Evolution haben einige Tiere dieser Ordnung ihre kauenden Mundwerkzeuge aufgegeben und zu stechend-saugenden Werkzeugen weiterentwickelt. Nur die weiblichen Tiere besitzen jedoch diese stechenden Mundwerkzeuge, bei den Männchen ist der Stechapparat zurückgebildet und dient nur zur Aufnahme von Pflanzensäften und Wasser.

Gemeine Stechmücke (Culex pipiens) by naturspektrum.de

Weibliche Mücken und Bremsen suchen also regelrecht nach warmblütigen Tieren (zu denen auch der Mensch gehört) und ernähren sich von Blutmahlzeiten.
Stechmücken sind im Gegensatz zu Bremsen deutlich kleiner und ihr Stich ist aufgrund der kleineren Mundwerkzeuge nicht so deutlich zu spüren. 
Beide Tierunterordnungen verfügen über Chemorezeptoren an den Fühlern, die bestimmte chemische Verbindungen wahrnehmen, oft über große Entfernungen hinweg. 
Sie nehmen vor allem Körperwärme sowie die Atembestandteile Kohlendioxid und Stickstoff wahr, außerdem im Schweiß enthaltene Stoffe wie Buttersäure, Milchsäure, Ammoniak und verschiedene Proteine.

 

Wie gefährlich sind Mücken in Deutschland?

Stechmücken und Bremsen sind in erster Linie lästig. Eine Krankheitsübertragung durch Stechmücken ist in Deutschland nicht bekannt, anders als in wärmeren Gebieten, wo Mückenarten eine Menge an Krankheiten von unterschiedlichen Erregern übertragen können, wie z.B. Malaria, Tularämie, Gelbfieber, Dengue-Fieber, West-Nil-Fieber und weitere. Auch in Skandinavien und anderen Ländern, die nicht zu den Tropen oder Subtropen gehören, können Mücken Krankheiten übertragen.

Mücke sticht mich beim Grillen

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde diskutiert, ob eine Übertragung von sog. Arboviren - Viren, die durch Insekten und andere Gliederfüßer übertragen werden können - durch Stechmücken in Deutschland möglich sei. Man kam damals zu dem Schluss, dass durch Stechmücken zur Zeit in Deutschland keine Krankheiten dieser Art übertragen werden können. Allerdings ist heute bekannt, dass in Nordeuropa z.B. das Karelische Fieber durch Mücken übertragen wird.  Weiterhin wurde diskutiert, ob Mücken in der Lage sind, Hepatitis B zu übertragen. Dies wurde in den 70er Jahren zwar bejaht, ich selbst konnte aber keine Literatur finden, die darauf hinweist, dass Stechmücken tatsächlich Hepatitis B übertragen. Somit kann für Deutschland zwar noch nicht abschließend gesagt werden, ob Krankheiten von Mücken übertragen werden, zur Zeit ist jedenfalls keine Literatur darüber zu finden.

Untersuchungen haben darüber hinaus jedoch gezeigt, dass Bremsen (aufgrund des größeren Saugrüssels) durchaus Krankheiten wie Borreliose auch auf Menschen übertragen können, in der Praxis sind aber noch keine Fälle bekannt geworden, bei der mit Sicherheit gesagt werden konnte, dass eine Bremse eine Krankheit auf einen Menschen übertragen hätte. Es wurde jedoch von Fällen berichtet, bei denen Pferde an Borreliose erkrankten, die zuvor von Bremsen gestochen wurden.  
nach dem StichEs wird zur Zeit diskutiert, ob eine Borrelioseübertragung durch Bremsen eventuell einfach nicht erkkannt wird. Dabei fragt man, sich, ob nicht die Ärzte mangels Kenntnis "Borreliose nach Zeckenstich" als Diagnose niederschreiben, obwohl der Patient auch von einer Bremse gestochen wurde.

Giftig ist der Stich einer Mücke oder einer Bremse nicht. Die Rötung bzw. Schwellung der Stichstelle sowie das unangenehme Jucken sind allergische Reaktionen auf Zusatzstoffe, die die Tiere mit ihrem Speichel in die Stichstelle einbringen, v.a. Gerinnungshemmer.

Erste Hilfe:

Gegen den Juckreiz helfen vor allem direkte Kühlung, kühlende Salben und Anti-Juckreiz-Gels. Da der Mückenstich als allergische Reaktion anzusehen ist, helfen hier solche Gels mit antiallergischer Funktion. Es sind auch Produkte auf dem Markt, die zusätzlich geringe Mengen Kortison enthalten. Im Normalfall reicht eine Kühlung der Stichstelle aus. In den meisten Fällen muss sogar gar nichts unternommen werden. Freunde der Homöopathie nutzen Ledum C30 als Sofortmaßnahme.

Vorbeugung:
Um Mückenstichen vorzubeugen, helfen grundsätzlich zwei Komponenten: 1. die Kleidung und 2. ein Mückenmittel. Außerdem können technische Maßnahmen zur Vorbeugung getroffen werden.


Die Kleidung sollte relativ dick sein, um einen Stich durch z.B. die Hose ausschließen zu können. Wenn möglich sollten alle Körperpartien bedeckt werden.

Verschiedene Hersteller von Outdoor-Bekleidung haben bereits "mückenstichsichere" Kleidung auf den Markt gebracht. Ich selbst nutze z.B. Fjäll Räven Hosen, deren "G-1000" Hosen als mückensicher gelten.


Mückenmittel (Repellents) werden auf die Haut aufgetragen oder in die Kleidung eingewaschen, um Stechinsekten abzuwehren. Wirkungsweise und Wirksamkeit von Mückenmitteln variieren stark je nach Hersteller und Zusammensetzung des Mittels und können in aktuellen Testergebnissen einiger Verbraucherinstitute nachgelesen werden, z.B. hier (Stiftung Waentest 2004).

Ganz wichtig zu wissen ist hierbei auch, dass wirksame Mückenmittel meist solche mit chemischen Wirkstoffzusammensetzungen sind. Beim Auftragen von wirksamen Mückenmitteln sind hierbei also immer Nebenwirkungen einzukalkulieren, wie das bei chemischen Wirkstoffen oft der Fall ist. Der Nutzen von vielen chemischen Repellents ist unumstritten, aber es können je nach Typ auch Hautirritationen oder allergische Reaktionen beim Anwender entstehen. Daher sollten (chemische) Mückenmittel nicht immer direkt die erste Wahl sein, zumal eine Krankheitsübertragung durch Mücken in Deutschland zur Zeit noch in Frage gestellt wird.

Der chemische Stoff, der die wenigsten Nebenwirkungen enthält, ist Icaridin, welcher u.a. in Autan enthalten ist. Der "ältere" Wirkstoff, eine Erfindung aus den 1950er Jahren, ist das DEET. Die Wirksamkeit von DEET wird in Praxistests meist etwas besser eingestuft als die von Icaridin, jedoch kann DEET die Haut in größerem Maße reizen. Des Weiteren ist das Risiko von allergischen Reaktionen bei der Nutzung von DEET als höher einzustufen als das von Icaridin. Daher schneiden Icaridinhaltige Produkte in Tests im Gesamtergebnis oft besser ab als DEET-haltige, obwohl der Wirkungsgrad von DEET höher ist.

Permethrin ist ein Insektizid, das zur Anwendung kommt, um z.B. Hosen einzuwaschen. So kann ein Mückenstich durch das Insektizid in der Hose verhindert werden. Dabei sollte aber beachtet werden, dass auch Permethrin die Haut, über der die Hose sitzt, angreifen kann.

Regentonne: muss abgedichtet werdenAls technische Maßnahmen kommt z.B. in Frage, Mückenpopulationen gar nicht erst entstehen zu lassen. Vor allem Regentonnen sind ideale Brutgebiete für viele Mückenarten. Die meisten Mückenarten benötigen Wasser zur Entwicklung ihrer Brut. Durch einen Deckel auf der Regentonne kann hier dem Entstehen von neuen Stechmücken vorgebeugt werden. Alle Arten von stehendem Wasser sollten vermieden werden. Gießkannen sollten im ungenutzten Zustand leer sein. Pfützen sollten nach einem Tag wieder ausgetrocknet sein, und wer einen Teich besitzt, könnte zum Schutz vor Mücken und zum Schutz der Kinder überlegen, ihn vielleicht in eine Trockenmauer übergehen zu lassen...

 

 

 

 

 

"300 Worte der Weisheit": Steckbrief Mücken und Steckbrief Bremsen.

Lesenswert:

http://www.faunistik.net/DETINVERT/DIPTERA/CULICIDAE/culicidae.html - Zur Biologie von Stechmücken

http://www.tzoller.de/insektenschutz/ - Infoseite über Stechmücken (Biologie, Vorbeugung, Schutz)