Wespen, Hornissen, Oldenburg

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Stechimmen: nur für Allergiker gefährlich

Die vorgenannten Arten sind Hautflügler der Unterordnung „Taillenwespen“, da sie drei klar voneinander abgegrenzte Körpersegmente besitzen und die charakteristische Wespentaille ausbilden. Die andere Unterordnung, die Pflanzenwespen, besitzen nur zwei sichtbar getrennte Körperteile.
Die Taillenwespen werden Unterschieden in „Legimmen“, die ihren Stachel als Legebohrer verwenden, um Eier in z.B. Wirtstiere oder Pflanzen zu legen, und „Stechimmen“, deren Stachel nicht als Legebohrer benötigt wird, da sie andere Fortpflanzungsstrategien entwickelt haben.

Gemeine Wespe

Vor allem Bienen sind Nutztiere, sie bestäuben alle Nutzpflanzen (bis auf Getreide) sowie die meisten anderen wichtigen Pflanzen. Aber auch andere Stechimmen wie die Wespen beteiligen sich an Pflanzenbestäubungen. Sie sind in unserer Natur nicht nur wegen dieser Bestäubungsfunktion von unglaublicher Wichtigkeit. Sie haben auch ein ausgesprochenes Potenzial, andere Insekten zu fressen. Diese werden von den jeweiligen Arbeiterinnen gefangen und durch den Giftstachel gelähmt, so dass sie die  Larven im Nest versorgen können. Ein Wespenstaat  fängt an einem arbeitsreichen Tag mehr Insekten als zwei oder drei Kleinvogelfamilien. Die ausgewachsenen Wespen sind hingegen Vegetarier. Sie schlecken lieber an süßen Sachen.

Verhalten

Die Aussage "Im Spätsommer gibt es mehr Wespen als im Frühsommer" ist nur zumTeil richtig. Wespen gibt es den ganzen Sommer über. Natürlich muss die Königin im Frühjahr erst beginnen, neue Wespen zu "produzieren". Die dann geborenen Arbeiterinnen haben aber als wichtigste und einzige Aufgabe, die weiter produzierten Larven zu hegen und zu pflegen. Dafür fangen sie ihnen andere Insekten, welche von den Larven vertilgt werden. Die Arbeiterinnen selber bekommen dafür von der Larve einen wohlschmeckenden "süßen Tropfen" zu essen. Da die Arbeiterinnen also alle Hände voll zu tun haben, ist Freizeit für sie ein Fremdwort. Sie arbeiten den ganzen Tag und essen in der "Larvenkantine". Im Spätsommer aber werden von der Königin Weibchen und auch Männchen produziert, die dann zur Fortpflanzung schreiten, und Arbeiterinnen werden weder weiterproduziert noch gebraucht. Sie werden also "in Rente" geschickt. In dieser Freizeitphase machen sich die Arbeiterinnen der Deutschen und der Gemeinen Wespe auf, ihren Lebensabend zu genießen. Sie fliegen gezielt Plätze an, auf denen Süßspeisen zu finden sind. Und landen deshalb in der Nähe des Menschen.

Gift

Wespen, Bienen, Hummeln und Hornissen besitzen einen giftigen Stachel, den sie zum Lähmen von Beute oder zur Verteidigung nutzen, und der uns Menschen nur durch sein vermeintliches Vorhandensein in (meist unbegründete) Panik verfallen lässt. 
Das Gift der Stechimmen besteht aus einer Mischung verschiedener Proteine, hauptsächlich schmerzerzeugende und zellzerstörende Nervengifte. Hornissengift enthält ebenfalls zahlreiche schmerzerzeugende Komponenten, zusätzlich Acetylcholin in hoher Konzentration, welches bei anderen Stechimmen fehlt. Dadurch – und aufgrund der durch den längeren Stachel tieferen Stichwunde – wird ein Hornissenstich als deutlich schmerzhafter empfunden als ein Bienen- oder Wespenstich. 
Acetylcholin ist eigentlich ein „körpereigener Botenstoff“, der zur Reizübertragung zwischen Nervenzellen unersetzlich ist. Eine „Übersättigung“ mit diesem Neurotransmitter kann jedoch zu starken Schmerzen führen.

Erste Hilfe:

Nach einem Stich ist bei Bienenstichen zuerst der Stachel zu entfernen, alle anderen Stechimmen behalten ihren Stachel nach dem Stich. Das ist auch der Grund, warum Bienen eher als "sanftmütig" eingestuft werden. Sie reißen sich den Stachel aus dem Hinterleib und verenden nach dem ersten Stich. Deshalb stechen sie nur, wenn sie sich oder ihren Staat als extrem gefährdet ansehen.

Nach dem eventuellen Herausziehen sollte die Stichstelle gekühlt werden, z.B. mit Wasser, Eiswürfeln oder Coldpacks. Die Einstichstelle entzündet sich meist, was auf die Wirkung des Insektengiftes zurückzuführen ist. Alkohol (auf die Stichstelle aufgetragen) hilft oft, die Struktur des Giftes teilweise zu zerstören und den Schmerz zu lindern. Später kann dann eine antiallergische oder kortisonhaltige Salbe aufgetragen werden.

Medikamente zur notfallmäßigen Behandlung eines anaphylaktischen Schocks nach WespenstichEine Insektengiftallergie kann schwere allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen und in ganz schlimmen Fällen zum Tode führen.  Allerdings können bei vielen Personen auch leichtere allergische Reaktionen auftreten, die allerdings mehr sind als eine reine Entzündung durch Insektengift. Daher sollten Allergiker wenigstens ein Antihistaminikum mitführen, vor allem wenn sie nicht wissen, ob sie zusätzlich zu ihren anderen Allergien eine Insektengiftallergie haben. Es empfiehlt sich eine antiallergische Salbe (evtl. mit Kortison) sowie eine Allergietablette (z.B. Loratadin, Cetirizin etc., individuell), die nach einem Stich geschluckt werden kann. Noch besser sind Antihistaminika in Tropfen- oder Saftform.

Personen mit bekannter Insektengiftallergie bekommen vom Arzt ein sog. "Notfallset" verschrieben. Dieses beinhaltet normalerweise die Medikamente, die der Rettungsdienst auch verabreichen würde. Das sind ein flüssiges Antihistaminikum sowie ein Kortisonpräparat und eine Adrenalinspritze. Das Antihistaminikum wirkt gegen die allergische Reaktion, allerdings tritt die Wirkung relativ spät ein. Das Kortison wirkt  vor allem entzündungshemmend. Adrenalin stabilisiert den Kreislauf und wirkt sofort, was bei schweren allergischen Reaktionen extrem wichtig werden kann.


Vorbeugung:
Es soll an dieser Stelle noch einmal deutlich gesagt werden, dass Wespen u.a. keine Parasiten des Menschen sind und ihren Stachel nur als Verteidigungswaffe einsetzen.
Vor allem Bienen stechen nur, wenn sie ihren Staat als so gefährdet ansehen, dass sie ihr eigenes Leben opfern. Denn der Bienenstachel ist mit Widerhaken gespickt, so dass die Biene ihn sich aus dem Hinterleib herausreißt und sofort nach dem Herausreißen stirbt.
Dabei wird jedoch die gesamte Giftmenge über einen speziellen Muskel in den Angreifer gepumpt.
Andere Stechimmen nutzen ihren Stachel ebenfalls ausschließlich zur Verteidigung. Solange sie sich nicht bedroht fühlen, stechen sie nicht.

Folgende Regel sollte deshalb eingehalten werden, um nicht gestochen zu werden:

  • das Insekt ignorieren und Ruhe bewahren. Solange sie nicht in den Kragen oder das T-Shirt hineinfliegt, ist eine Stechimme nicht gefährlich.

 

Ergänzend gibt es hier einige Hinweise, wie man sich das Leben mit Stechimmen etwas leichter machen kann:

  • Schuhe tragen, da Stechinsekten auch schon mal auf dem Boden vorkommen. Es gibt Wespenarten, die ihre Nester als Erdhöhlen bauen.

 

  • reifes Obst, Biomülltonnen und alles andere, was süßlich-gegoren riecht, zieht Wespen (vor allem die Gemeine und die Deutsche W.) magisch an. Deshalb ist es ratsam, Biomüll oder auch eine spezielle Wespenfütterung in einiger Entfernung abzustellen. So werden wesentlich weniger Wespen einen "neuen" Futterplatz wie ein Picknick aufsuchen, sondern vielmehr zu ihrem immer vollen Stammplatz zurückkehren.

 

  • Lange Kleidung ist gut, allerdings darf sie nicht zu weit sein. Wespen stechen zwar nur in Gefahrensituationen, können aber leicht in eine solche hineingeraten, wenn sie sich in ein T-Shirt verirren.

 

  • Wespen und andere Stechimmen fühlen sich von einigen Parfums und Deodorants angezogen.

 

  • In der Nähe von Wespennestern können sich Wespen aggresiv verhalten. Das liegt daran, dass sie ihr Nest als gefährdet ansehen. Deshalb ist ein Abstand von 4m zum Nest angezeigt.

 

  • Allergiker sollten vor allem die "Ruhe bewahren"-Regel befolgen.  Das ist zwar leicht gesagt, aber nicht immer leicht zu befolgen. Ich selbst als Nichtallergiker musste mich auch schon des Öfteren überwinden, um eine Wespe auf meinem Arm Platz nehmen zu lassen. Deshalb sollten Insektengiftallergiker sich vom Arzt ein Notfallset verschreiben lassen. Es besteht aus Antihistaminika (gegen allergische Reaktionen), einem Kortisonpräparat (entzündungshemmend) und meist einer Fertigspritze mit Adrenalin (zur Schockbekämpfung).

 

"300 Worte der Weisheit": Steckbrief Stechimmen.

Lesenswert:

www.hornissenschutz.de - wichtige und informative Seite über Hornissen und Wespen

www.biologie-von-wespen-und-bienen.de - Gut gestaltete Seite mit den wichtigsten Infos über die Biologie von Stechimmen

http://cdl.niedersachsen.de/blob/images/C53489966_L20.pdf - Gutes Info-Blatt der Niedersächsischen Verwaltung

Algorithmus "anaphlaktischer Schock" für den Rettungsdienst