Diese Seite drucken

das Wildschwein - auf dem Vormarsch in die Stadt

 

Begegnungen mit Wildschweinen sind meist von kurzer Dauer. Aufmerksame Waldspaziergänger freuen sich, wenn sie im Unterholz den Schatten eines Wildschweins erkennen und laufen jubelnd umher, wenn eines dieser großen dunklen Tiere den Waldweg in nächster Nähe kreuzt.

Da Wildschweine also anscheinend nicht gerade unsere Nähe suchen, kommt es auch weniger in Betracht, dass sie ansteckende Krankheiten übertragen.

Wildschwein

Die Lebensweise der Wildschweinfamilie ist ähnlich der menschlichen Familienstruktur

Wildschweine sind uns in ihrem Verhalten teilweise ähnlich. Sie haben eine soziale Familienstruktur und kümmern sich fürsorglich um ihren Nachwuchs. Manchmal übernehmen Muttertiere auch die "Frischlinge" genannten Jungen einer anderen Mutter für eine kurze Zeit, ähnlich wie es bei uns Menschen auch schon einmal vorkommen kann.


Voraussetzungen für ein geordnetes Familienleben
Wir müssen bedenken, dass der Lebensraum eines Wildschweines der Wald und die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen sind. Wildschweine brauchen Nahrung und mit einem Lebendgewicht von 100 bis 200 kg benötigt man auch als Allesfresser ganz schön viel zu Essen. Gleichzeitig muss Wasser vorhanden sein und die Möglichkeit, sich vor neugierigen Blicken schützen zu können. Auch wenn Wildschweine sehr anpassungsfähig sind, sind dies die logischen Grundvoraussetzungen an den Lebensraum des Wildschweins.

Eigentlich sind Wildschweine tagaktiv. Doch gerade der Wald hat sich in den letzten Jahrzehnten vom Wirtschaftswald zum Erholungswald gemausert, obwohl in vielen Wäldern die Wirtschaftsfunktion an erster Stelle steht. Forstwege, die dafür gedacht sind, den Holztransport zu ermöglichen, werden zu Wanderwegen und teilen den Wald in kleine Flächen ein, die wenig Raum für ein erfülltes Schweineleben lassen. Gleichzeitig erfahren die Wildschweine einen relativ hohen Jagddruck, d.h. eine intensive Bejagung (aufgrund guter Nahrungsbereitstellung im Wirtschaftswald und auf landwirtschaftlichen Monokulturen vermehrt sich das "Schwarzwild" genannte Wildschwein sehr gut und sorgt für hohen wirtschaftlichen Schaden) und müssen sich immer häufiger zurückziehen und die Dämmerung ausnutzen. Tagsüber leben sie sehr zurückgezogen im Dickicht, Unterholz und ansonsten sehr schwer zugänglichen Stellen des Waldes. Ihre Raketenform macht es ihnen möglich, auch durch dichtes Unterholz fast mühelos hindurchzupreschen.

Auf der einen Seite steht also das Wildschwein in seinem Lebensraum Wald und seinen Ängsten vor Jägern, lauten Geräuschen und fehlender Deckung, auf der anderen Seite der Jogger, Wanderer, Mountainbikefahrer oder einfach nur Erholungssuchende, welcher den Lebensraum des Wildschweines ungefragt betritt.

Die Wildschweine bekommen meist im März/April ihre Jungen und säugen sie bis Juli/August. Gerade in der Stillzeit würden Menschenmütter es auch nicht mögen, wenn sie auf dem Stillsessel sitzen und ihnen jemand die Haustür eintreten würde. Doch anstatt zu schreien, gehen die Wildschweinmütter in dieser für sie schlimmen Situation lieber zum Angriff über. Und das ist die Gefahr, die vom Wildschwein ausgeht. Auch wenn wir noch so vorsichtig den Wald betreten, ein Wildschwein kann sich ganz schnell bedroht fühlen und bläst zum Angriff. Selbst wenn die Weibchen nicht diese kleinen Stoßzähne besitzen, möchte ich dringend vor einem Kampf mit ihnen abraten. Denn 150 kg Gewicht mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h sind bei einem Zusammenstoß nicht zu unterschätzen.

Die Jagdstrecke (Anzahl der geschossenen und anderweitig tot aufgefundenen Tiere) hat sich in Niedersachsen stetig erhöht (siehe Bild):

aus: Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (2008): Wild und Jagd – Landesjagdbericht 2007.
Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz
und Landesentwicklung (Hrsg.), Hannover.

Im niedersächsischen Durchschnitt hat sich die Anzahl der geschossenen Wldschweine fast verdoppelt. Das liegt nicht, wie man behaupten könnte, an der Schießwut der Jäger, sondern vielmehr an einer starken Zunahme der Wildschweinbestände. Gerade die Anpflanzung von Mais begünstigt die Vermehrung von Wildschweinen ungemein. Außerdem wandern Wildschweine vermehrt (wie bereits oben beschrieben) in jagdfreie Zonen und finden dort genug Nahrung, um eine große Nachkommenschaft zu produzieren.

 

Kurz gesagt

Wir können also zusammenfassen, dass Wildschweine überall vorkommen können, wo Feld und Wald zu finden ist, auch in städtischen Parks. Eine erhöhte Vorsicht ist also überall gegeben.

"kleine Verhaltensregeln im Wald":

  • trotz grundsätzlichem Betretungsrecht sollte man auf den Wegen bleiben. Viele Erholungswälder sind so angelegt, dass man auf den ursprünglich als Wirtschaftswegen gedachten Straßen alle erholungstechnisch wichtigen Ziele erreichen kann.
  • Wildwechsel sollten möglichst gemieden werden.
  • dichte Baumbestände sind Aufenthaltsorte von Wildschweinen. Deshalb sollte in der Nähe von Dickungen besonders aufgepasst werden.
  • Wildschweine nicht füttern. Dadurch verlieren sie auch die letzte Scheu gegenüber dem Menschen, werden aber nicht automatisch "zahm". Wildschweine sind Wildtiere und müssen es auch bleiben.

"Wildschweine sind gefährlich."

"300 Worte der Weisheit": Steckbrief Wildschwein

 

Lesenswert:

Zur massenhaften Vermehrung der Wildschweine: Meinung-Jagd notwendig und Meinung-Jagd Ursache für Vermehrung.

gute Kurzinfos zum Wildschwein auf faunistik.net