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Zecken: bedeutende Krankheitsüberträger

Zecken sind Parasiten des Warmblüters, also auch des Menschen. Sie benötigen Blut, um ihre Entwicklungsstadien zu durchlaufen und um sich fortpflanzen zu können. Weiterhin können Zecken eine Vielzahl an Krankheiten auf den Menschen übertragen. Sie sind darüber hinaus sehr zahlreich und fast überall anzutreffen, nicht nur im Wald, sondern auch in der Stadt, beispielsweise im Garten, auf städtischen Grünflächen oder auf dem Spielplatz.

Da Zecken sich nicht, wie von vielen Menschen angenommen, von Bäumen auf ihre Opfer herabfallen lassen, sondern eher aufZecken können nicht rechnen. Grashalmen warten und sich an den vorbeistrefenden Wirt heften, sind Bäume für das Vorhandensein von Zecken nicht relevant.

Zecke

Die Zeckenpopulation in der Stadt kann sogar höher sein als im Wald. Da der Mensch nicht der einzige Wirt der Zecke ist, steigt die Zeckenpopulation dort an, wo viele Zeckenwirte vorkommen. Städtische Kleintiere wie Igel oder verschiedene Mäuse sind ebenfalls Wirte der Zecke.


Daher gilt: nicht nur Berufstätige, die im Wald arbeiten, sollten sich gegen Zeckenstiche (nicht  "Zeckenbiss") schützen, sondern einfach jeder, da wir davon ausgehen können, dass Parks, Spielplätze und Vorgärten für Zecken ebenso geeignete Lebensräume sind wie der Wald.

 

Von welchen Zecken sprechen wir eigentlich:

Blutsaugende Zecken, die dem Menschen gefährlich werden können, sind in zwei Familien zu unterscheiden. Zum einen die Schildzecken, die wie oben abgebildet eine schildähnliche Panzerung besitzen, zum anderen die Lederzecken, welche keinen Schild besitzen (der Name sagt es: sie besitzen eine lederartige Haut).

Lederzecken kommen vor allem in den Tropen und Subtropen vor, allerdings gibt es einige Lederzeckenarten, die in Deutschland heimisch sind.

Alle Zecken haben einen Lebenszyklus, der sich durch Häutungen definiert. Zunächst wird die Larve mit der ersten Häutung zur Nymphe, und hier kommt der Unterschied zu den später behandelten Schildzecken: Lederzecken machen bis zu acht Nymphenstadien durch, bevor sie ein erwachsenes Tier werden, Schildzecken nur eines. Für jedes Stadium braucht die Zecke eine Blutmahlzeit.  Die in Deutschland wichtigste Lederzeckenart ist die Taubenzecke. Das interessante an dieser Zecke ist, dass sie eigentlich gar nicht im Wald oder im "Grünland" vorkommt, sondern vor allem auf Dachböden. Vor allem dort, wo Tauben nisten oder genistet haben. Menschen, die von dieser Zeckenart befallen werden, wird diese Zecke nicht durch Krankheitsübertragung gefährlich, sondern dadurch, dass allergische Reaktionen nach einem Stich auftreten.

Vielseitiger sind die Schildzeckenarten, von denen mehrere in Deutschland relevant sind. Die wichtigste ist der Gemeine Holzbock, die Zecke schlechthin. Aber auch andere Zeckenarten wie die Schafzecke in Süddeutschland, einige Haemaphysalisarten sowie die Braune Hundezecke (die immer mal wieder eingeschleppt wird) können Krankheiten übertragen. Weiterhin überträgt die Igelzecke Krankheiten auf andere Wirte, die dann dem Menschen gefährlich werden können. Die Auwaldzecke hat vor allem wegen der Übertragung der sog. Hundemalaria auf Hunde Schlagzeilen gemacht; außerdem vergrößern sich die Populationen seit den 1970er Jahren immer mehr.

vollgesogene Schildzeckennymphe

Das Verhältnis Zecke - Mensch - andere Tiere:

Dass Zecken Krankheiten auf Menschen übertragen, ist unumstritten. Der Hintergrund soll im Folgenden aufgezeigt werden.

Zecken müssen sich selbst mit Erregern infizieren, um diese übertragen zu können. Desweiteren spielen andere Tiere eine wichtige Rolle, indem sie als Reservoir dienen, als Krankheitsspeicher. Eine Zeckenlarve befällt demnach beispielsweise eine Maus, welche einen Krankheitserreger in sich trägt, um im nächsten Stadium (Nymphe) einen Menschen zu befallen. So wird die Krankheit auf den Menschen übertragen. Die Igelzecke ist für uns deshalb besonders interessant, weil sie zwar nicht den Menschen, aber eben sehr häufig den Igel befällt, dieser aber auch Wirt für andere Zeckenarten ist, die dann den Menschen angehen. Der Mensch selbst ist für jede Zecke auch eher ein sogenannter Fehlwirt, weil sich der Mensch nicht im Hauptlebensraum der Zecke aufhält und diese irgendwann entdeckt und tötet, so dass sich eine Zecke, die den Menschen befallen hat, selten vermehrt.

Welche Krankheiten übertragen Zecken in Deutschland:

Da durch den internationalen Reiseverkehr gelegentlich Krankheiten oder gar Zecken eingeschleppt werden, ist es schwer zu sagen, welche Krankheiten hier "endemisch" sind, also innerhalb Deutschlands regelmäßig übertragen werden können. Die in Deutschland vorkommenden Zeckenarten können grundsätzlich eine Menge an Krankheiten auf den Menschen übertragen. Die wichtigsten beiden heißen FSME (Frühsommer -Meningoenzephalitis) und Borreliose. Weitere Krankheiten können Rickettsiosen, Ehrlichiose, Hasenpest, Zeckenfieber, Babesiose oder Zeckenlähmung sein. Diese Krankheiten sind zum Teil auch in Deutschland von Bedeutung.

Risikogebiete:

Risikokarte Zecken Risikogebiete

Vielfach werden die von namhaften Impfstoffherstellern propagierten Risikokarten als "Zeckenrisikokarten" missverstanden.

Zecken kommen überall in Deutschland vor. Bei den Risikokarten handelt es sich um FSME-Risikogebiete. Das sind Landkreise, aus denen dem Robert-Koch-Institut FSME-Fälle gemeldet wurden und die nach einer eingehenden Überprüfung einer Risikoeinschätzung unterworfen wurden. Erst dann werden diese Landkreise als Risikogebiete deklariert.

Die von Zecken übertragene Borreliose wird flächendeckend in ganz Deutschland übertragen. Somit könnte man ganz Deutschland als Risikogebiet für Borreliose deklarieren. Jedoch ist die Borreliose nicht meldepflichtig nach dem Infektionsschutzgesetz. Deshalb können nur sehr ungenaue Daten zum Vorkommen der Borreliose in bestimmten Gebieten herangezogen werden. Für Niedersachsen geht man je nach Studie von einer Durchseuchung der Zecke mit Borreliosebakterien von 9 bis 25% aus.

Wir haben in den Jahren 2009 und 2010 auf jeder Exkursion Zecken im Stadtgebiet Oldenburg gefunden. Auf Schulhöfen ebenso wie in kleinen Stadtwäldern, in den Haarenniederungen, in privaten Gärten und Vorgärten.

Wie schützen wir uns vor einem Zeckenstich?

Zuerst muss der oben stehende Text noch einmal relativiert werden; einfach gesagt müssen wir bei allen Diskussionen um Zecken folgende Dinge beachten:

  • noch lange nicht jeder, der sich im Freien aufhält, wird von einer Zecke "befallen"
  • nicht jeder, auf den sich eine Zecke geschlichen hat, wird auch gestochen
  • nicht jede Zecke trägt Krankheitserreger in sich
  • nicht jede Krankheitserreger tragende Zecke überträgt die Krankheit auf uns Menschen

 

Wenn wir diese Punkte bedenken, dürfte klar werden, dass nicht jeder Aufenthalt im Stadtpark zu einer Erkrankung führen wird. Allerdings können wir die trotzdem vorhandene Gefahr durch Zecken auf ein Minimum reduzieren:

Die richtige Kleidung:

Es bietet sich vor allem das Tragen von heller, langer, geschlossener Kleidung an.  Auf heller Kleidung werden Zecken schneller entdeckt. Außerdem verzögert geschlossene Kleidung, dass eine sich abstreifende Zecke auf unseren Körper gelangt, erheblich.

Das richtige Abwehrmittel:

Weiterhin ist es möglich, ein sog. "Repellent", ein Anti-Mückenmittel aufzutragen. Solche Mittel werden auf Hautpartien aufgetragen und verhindern, dass sich Mücken, und je nach Hersteller auch Zecken auf unsere Haut verirren. Die Wirksamkeit solcher Mittel variiert stark je nach Zusammensetzung und Hersteller und kann z.B. in aktuellen Testergebnissen namhafter Tester nachgelesen werden.

Die Stiftung Warentest hat im Jahre 2008 Zeckenabwehrmittel getestet und kam zu einem nicht gerade positiven Ergebnis. Somit dürfte klar sein, dass Abwehrmittel niemals die richtige Kleidung und das Absuchen nach Zecken ersetzen können.

Es ist auch möglich, die Kleidung mit einem Insektizid, das auch gegen Zecken wirkt, zu imprägnieren. Solche Mittel sind zum Beispiel in Outdoor-Geschäften zu erwerben und werden in die Kleidung eingewaschen.

Absuchen nach Zecken:

Ein absolutes Muss ist die Absuche nach Zecken. Nach einem Tag im Freien kann es nicht schaden, sich nach dem Besuch im Grünen oder spätestens vor dem Schlafengehen nach Zecken abzusuchen. Dabei sollten auch Stellen in die Suche einbezogen werden, die beim flüchtigen Spiegelblick oft vergessen werden wie etwa der Achsel- oder Genitalbereich.

Wichtig zu wissen ist hierbei auch, dass weniger die erwachsenen Zecken unseren Körper erklimmen, sondern die Nymphen, welche wesentlich kleiner sind als oftmals angenommen. Die Zecke dieser Homepage oben in der Adressleiste könnte man übrigens mit einem erwachsenen Tier vergleichen.

All diese Vorsichtsmaßnahmen können dazu beitragen, dass wir eine wunderschöne  zeckenfreie Zeit erleben.

Erste Hilfe:

Was machen wir aber, wenn eine Zecke uns dennoch gestochen hat? Das wichtigste ist auch hier das Motto: keine Panik, denn ein Stich bedeutet außerhalb von FSME-Risikogebieten nicht direkt die Übertragung der Krankheit.

Zuerst sticht die Zecke, erst danach beginnt sie mit dem Saugvorgang. In FSME-Risikogebiteten ist es wichtig, die Zecke sofort herauszuziehen, denn beim Saugvorgang werden bereits Viren in den menschlichen Körper abgegeben. Selbstverständlich kann auch in FSME-Risikogebieten die Borrelisoe übertragen werden

In den Nicht-FSME-Risikogebieten besteht immer noch die Gefahr der Infektion mit Borreliose (und natürlich auch den anderen Krankeiten, aber das wäre ein sehr seltener Fall) . Die Borreliosebakterien befinden sich jedoch nicht im Speichel der Zecke, sondern im Mitteldarm und werden erst durch den Blutsaugvorgang - durch die Temepraturveränderung - dazu veranlasst, auch über den Speichel in den Menschen überzugehen. Dieser recht komplizierte Mechanismus dauert einige Zeit, man spricht von 12-24 Stunden, bis Borrelien auf den anderen Körper übertragen werden.

Man nutze also eine dünne Splitterpinzette oder eine "Zeckenkarte". Das Prinzip ist ähnlich. Die Karte wird mit dem Schlitz bzw. die Pinzette mit der dünnsten Stelle über die Haut gefahren und greift die Zecke so weit unten wie möglich. Dann zieht man die Zecke einfach senkrecht heraus. Der Kopf bleibt übrigens nie unter der Haut stecken, höchstens Teile der Mundwerkzeuge, die im schlimmsten Fall eine "normale" Entzündung verursachen. Danach sollte die Stelle desinfiziert werden.

Wichtig: Ist der Zeckenstich während der Arbeit oder auf dem Weg zur oder von der Arbeit passiert oder als Schüler, Kindergartenkind  bzw. auf dem Schulweg, sollte immer ein Arzt (am besten der berufsgenossenschftliche Durchgangsarzt) aufgesucht werden, mit dem Hinweis auf einen Arbeits- oder Schulunfall. Der Kostenträger ist dann die zuständige Berufsgenossenschaft oder der Unfallversicherungsträger. Es wird auch keine Praxisgebühr erhoben.

Durchgangsarztsuche für Schulen und Kindergärten (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) .

Berufsgenossenschaftliche Durchgangsärzte sind bei der zuständigen BG oder beim Arbeitgeber zu erfragen.

Die Zecke darf dann auch gerne mit nach Hause genommen werden. Vielleicht soll sie später einmal untersucht werden.

"300 Worte der Weisheit": Steckbrief Zecken.

Lesenswert:

http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/nrz_borrelien/index.htm - Nationales Referenzzentrum für Borrelien

http://www.bfbd.de/de/bund/1.html - Borreliose und FSME Bund Deutschland

http://www.borreliose-ol.de.vu/ - gute Seite einer Borreliose Selbsthilfegruppe mit vielen interessanten Hintergrundinfos

bald: Borreliose, FSME, Hilfe bei Zeckenstichen